Risikobeurteilung erstellen

Risikobeurteilung erstellen

Was muss man bei der Erstellung von Risikobeurteilungen beachten?

1. Sicherheit von Maschinen - Grundlage ist die Risikobeurteilung

Vielen Führungsverantwortlichen und deren Mitarbeitern ist bewusst, dass das Thema Risikobeurteilung in der Maschinensicherheit ein zentraler Bestandteil Ihrer täglichen Arbeit ist. Täglich stehen Sie als Entwickler, Konstrukteur oder Elektrotechniker mit Ihren Maschinen und technischen Geräten dem Thema Risikobeurteilung als zentralem Punkt Ihrer Arbeit gegenüber.

Haben Sie auch ein seltsames Gefühl und vielleicht sogar ein schlechtes Gewissen, wenn Sie an Ihre Pflichten als Hersteller denken?

Das Themengebiet der Risikobeurteilung mit seinen Gesetzen, Richtlinien und Normen, aber auch mit den Anforderungen der technischen Umsetzung ist sehr komplex und nicht einfach zu überblicken.

Diese Informationen sollen den Herstellern von Maschinen und Geräten als Anhaltspunkt dienen. Doch auch Betreiber von Maschinen und Anlagen gehören zu der Zielgruppe dieser Informationen. Ein Betreiber kann schnell zu einem Hersteller mit den entsprechenden Herstellerpflichten werden.

Der Arbeitnehmer setzt voraus, dass Maschinen sicher sind! Dies sollte Maschinenherstellern, Anlagenbauern, Technischen Leitern und Produktionsleitern bewusst sein.

Doch auch der Arbeitnehmer hat seine Pflichten. Er muss warten, instandhalten und reinigen. Auftauchende Gefahrenquellen muss er erkennen und seinen Vorgesetzten melden. Er muss sich an Vorgaben für sichere Arbeitsweisen wie Betriebsanweisungen und Betriebsanleitungen halten, persönliche Schutzausrüstungen tragen und an Schulungsmaßnahmen teilnehmen.

2. Wann müssen Sie sich über das Thema Risikobeurteilung Gedanken machen?

Bei jeder neuen Maschine

Bei jeder Veränderung an einer Maschine

Beim Import einer Maschine aus dem EU-Ausland

Beim Zusammenfügen einzelner Maschinen zu einer Anlage

3. Gesetzliche Grundlagen

Die Rechtsvorschriften rund um das Inverkehrbringen technischer Produkte im Binnenmarkt der EU werden seit 1985 vereinheitlicht. Diese Vereinheitlichung durch die „Neue Konzeption der EU“ wird auch Harmonisierung genannt.

In diesem Zusammenhang tauchen häufig die drei Begriffe „New Approach“, „Global Approach“ und „New Legislative Framework“ auf.

Die EG-Richtlinien wurden ab 1985 nach der sogenannten „neuen Konzeption“ (New Approach) erlassen. Seit 1993 ergänzte das „Gesamtkonzept zur Konformitätsbewertung“ (Global Approach) die „neue Konzeption“. Der „Neue Rechtsrahmen“ (New Legislative Framework NLF) vereint seit 2008 die „neue Konzeption“ und das „Gesamtkonzept zur Konformitätsbewertung“.

Die grundlegenden Anforderungen und technischen Regeln für Maschinen und Anlagen werden durch die verbindlichen Rechtsvorschriften der EU und durch freiwillig anwendbare europäische Normen (EN) spezifiziert.

Wobei mit dem Begriff „freiwillig“ vorsichtig umgegangen werden muss. Es ist zwar grundsätzlich möglich, das von der Richtlinie geforderte Sicherheitsniveau auch auf andere Weise zu gewährleisten. Jedoch erhalten die Normen durch den Verweis auf die Regeln der Technik in vielen Fällen Rechtscharakter. Weiterhin muss der Hersteller nach einem Unfall beweisen, dass seine von den Normen abweichende Lösung das Sicherheitsniveau gewährleistet hat. Was natürlich nach einem Unfall an seiner Maschine nur sehr schwer möglich ist.

4. EG-Richtlinien oder EU-Richtlinien und EG-Konformitätserklärung oder EU-Konformitätserklärung?

Jahrelang war der EG-Vertrag die Rechtsgrundlage für den Erlass von Richtlinien. Die Richtlinien wurden daher früher als „EG-Richtlinien“ bezeichnet. Diese Benennung ist auch heute noch häufig anzutreffen.

Die korrekte Bezeichnung ist heute jedoch „EU-Richtlinien“. Auch ältere Richtlinien die „EG“ oder sogar ganz alten Richtlinien die „EWG“ als Zählnummern haben werden jetzt als „EU-Richtlinien“ bezeichnet.

Daraus ergibt sich auch, dass der in der Praxis gerne verwendetet Begriff „EG-Konformitätserklärung“ durch „EU-Konformitätserklärung“ zu ersetzten ist.

5. Unterschied Risikobeurteilung und Gefährdungsbeurteilung

Für Hersteller und Betreiber von Maschinen gelten unterschiedliche Vorschriften im Hinblick auf die Maschinensicherheit. Sollten Sie Hersteller sein, so müssen Sie sich hauptsächlich auf die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG konzentrieren. Die Sie unter Einhaltung der gültigen Normen und Regelwerke erfüllen müssen. Zentrales Thema der Maschinenrichtlinie ist die Risikobeurteilung. Es in Ihrem Verantwortungsbereich als Hersteller und Inverkehrbringer zu prüfen, ob Ihre technischen Produkte unter den Anwendungsbereich der Maschinenrichtlinie fallen.

Zu beachten ist, dass Sie hierbei nicht nur die vollständigen Maschinen betrachten, sondern auch die unvollständigen oder Teilmaschinen.

Als Betreiber hingegen stehen Sie einer anderen Rechtslage gegenüber. So richten Sie sich als Betreiber der Anlagen hauptsächlich nach der Betriebssicherheitsverordnung (siehe § 3 Arbeitsschutzgesetz). Zentrales Thema der Betriebssicherheitsverordnung ist die Gefährdungsbeurteilung.

CE Zeichen Risikobeurteilung

6. CE-Kennzeichnung als Europas Markenzeichen

Maschinenhersteller und Inverkehrbringer technischer Produkte dürfen ausschließlich sichere Maschinen ausliefern. Diese sicheren Maschinen und Anlagen sind in der ganzen Welt anerkannt. Die Importeure anderer Länder wissen um die Bedeutung der CE-Kennzeichnung.

Per Gesetz werden Maschinenhersteller und Betreiber in Europa verpflichtet, die Sicherheit der Menschen und der Umwelt zu gewährleisten. Hierdurch ist die CE-Kennzeichnung sozusagen zu Europas Markenzeichen geworden.

Für die Maschinenhersteller ist die Produktsicherheit maßgeblich. Die Bestimmungen des ProdSG und der 9. ProdSV sind in Gänze anzuwenden. Der Hersteller hat die Herstellerpflichten gemäß ProdSG und 9. ProdSV zu erfüllen. Danach hat der Hersteller sicherzustellen, dass die Maschine den grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen der Maschinenrichtlinie entspricht.

Für Maschinenbetreiber ist hingegen die Arbeitssicherheit maßgeblich.

Die Richtlinien und Gesetze werden sowohl für neue, als auch gebrauchte Maschinen und Anlagen angewendet. Darunter fallen Maschinen, die in Europa hergestellt oder auch wesentlich verändert werden, sowie auch Importe nach Europa, die anschließend vor Ort betrieben werden.

Doch auch in anderen Ländern gewinnt die Maschinensicherheit und damit die Sicherheit von Mensch und Umwelt eine immer größere Bedeutung.

7. Grundlagen zur Risikobeurteilung

Im Prinzip können Sie die Risikobeurteilung in allen Lebensbereichen anwenden. Sie haben mit der Risikobeurteilung ein hervorragendes Werkzeug zur Überprüfung bestimmter Situationen, Vorhaben, Ereignisse oder Systeme auf die auftretenden Gefährdungen und Risiken.

Sie können die Risikobeurteilung als ein eigenes Feld innerhalb des Risikomanagements zu sehen. Sie ist als Prozess zu verstehen, der es Ihnen ermöglicht die vorhandenen Sicherheitsmängel zu identifizieren. Mit dem Prozess der Risikobeurteilung können Sie die Risiken darstellen und sehen wie Sie sie rechtssicher reduzieren können.

8. Was ist das Ziel?

Die Risikobeurteilung ermöglicht Ihnen das Herstellen von sicheren Maschinen, Geräten und Anlagen. Durch den normierten Prozess werden Sie mögliche Gefährdungen und Risiken bereits vor dem Start der eigentlichen Konstruktion identifizieren. Bereits in der Konstruktions- und Entwurfsphase haben Sie die Möglichkeit wirtschaftliche Lösungen zu finden und Ihre getroffenen Entscheidungen rechtssicher zu Dokumentieren.

Selbstverständlich erkennt ein erfahrener Konstrukteur während des Entwurfs und der Konstruktion ganz intuitiv einen Großteil der Gefährdungen. Jeder hat die Fähigkeit Risiken zu erkennen und auch ein Gefühl welche Maßnahmen das Risiko mindern oder eliminieren.

Jedoch erhöhen Sie mit dem systematischen Prozess der Risikobeurteilung nach Norm Ihre Trefferquote deutlich. Kein Verantwortlicher kann es sich in der heutigen Zeit der Vernetzung leisten eine Gefährdung zu übersehen.

Letztendlich darf nur eine sichere Maschine verwendet werden.

9. Risikoanalyse, Risikobeurteilung und Risikominderung als Prozess

Die Risikobeurteilung für Maschinen nach DIN EN 12100 ist ein Prozess. Dieser Prozess besteht aus der Risikoanlyse der Risikobeurteilung und der Risikominderung. Wobei sich bei der Erstellung einer Risikobeurteilung fünf Prozesschritte ergeben:

Risikobeurteilung für Maschinen nach DIN EN 12100

Wichtig ist, dass diese fünf Prozessschritte iterativ sind, d.h. wenn eine Risikominderung das Risiko nicht ausreichend gemindert hat, wird der Prozess erneut durchlaufen.

10. Was ist mit den Restrisiken?

Bei einigen Geräten und Maschinen ist es nicht zu vermeiden, dass Sie gewisse Restrisiken akzeptieren müssen. Stellen Sie sich eine Kettensäge vor. Von einer Kettensäge geht ein gehöriges Restrisiko aus. Jedoch gibt es ohne die bestimmungsgemäße Verwendung einzuschränken keine vollständige Risikominderung. Eine konstruktive Lösung, wie eine Schutzabdeckung um die Kette, ist nicht im Sinne des Erfinders.

Restrisiken bei der Risikobeurteilung

Sie sehen, die Restrisiken sind dabei nicht zu vermeiden, müssen jedoch unterhalb einer gewissen Schwelle liegen. Diese Schwelle wird als sogenanntes Grenzrisiko bezeichnet. Das Grenzrisiko ist das höchste Risiko, das für Sie noch akzeptierbar ist. Sind Ihre Risiken unterhalb des Grenzrisikos, so liegen diese im tolerierbaren Bereich. Maschinen deren Risiken über dem Grenzrisiko liegen, dürfen nicht in Verkehr gebracht werden.

Mit den erforderlichen Maßnahmen zur Risikominderung müssten Sie theoretisch das Risiko nur bis zum Grenzrisiko mindern. Da es sich hierbei um ein theoretisches Modell handelt, wird Ihre tatsächliche Risikominderung deutlich unter dem Grenzrisiko liegen.

Nur so erfüllen Sie die Voraussetzungen für die Vergabe Ihres CE-Zeichens und ein positives Ergebnis Ihrer Risikobeurteilung.

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